10.000 Dinge und warum du damit nicht allein bist
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Neulich stand ich mitten in einem Raum umgeben von 10.000 gespendeten Gegenständen. Kein Museum, sondern eine Ausstellung in Regensburg vom "Schöner Sterben Kollektiv". Dicht an dicht, nebeneinander, übereinander und nach Farben sortiert. Um sichtbar zu machen, wie viel das eigentlich ist.


10.000 Dinge.


So viele besitzt ein durchschnittlicher Europäer und so viele wird er in etwa auch einmal vererben.
Ich kann dir sagen: Der Anblick hat mich ehrlich überwältigt. Und auch die Besucher um mich herum haben genau das erlebt, was viele Menschen in ihrem Zuhause spüren: Es ist einfach zu viel.

In dieser Ausstellung ging es darum, sich auf die Suche nach unseren Beziehungen zu den Dingen zu machen: warum wir sie brauchen, weshalb es uns so schwerfällt uns von ihnen zu trennen und was all diese Dinge mit uns machen.

Was mich sehr berührt hat: Zwischen all dem Geschirr, Spielzeug, Küchengeräten, Büchern, Plüschtieren, Werkzeug, Erinnerungsstücken etc. und Dingen „für irgendwann mal“ lagen kleine Zettel und Briefe von den Menschen, die sie abgegeben hatten. Manche schrieben, welche Gedanken sie beim Haus ihrer Eltern haben. Andere vom schlechten Gewissen, Dinge nur aus Höflichkeit behalten zu haben. Wieder andere davon, wie bestimmte Gegenstände sie belastet haben.

Und hier wird es spürbar: Unsere Dinge sind selten nur „Sachen“. Sie sind Erinnerungen, Verpflichtungen, Schuldgefühle, Verantwortung, Geschichten und manchmal auch ganz schön viel Ballast.

Wenn du dir vorstellst, wie viele Gefühle, Erinnerungen und Gedanken an Gegenständen hängen wird schnell klar, warum sich vieles im Alltag so schwer anfühlt.

Vielleicht hast du es bei dir selber schon erlebt:

Du willst deine Bücher aussortieren, nimmst eines heraus und plötzlich sitzt du auf dem Boden, schmöckerst rein und merkst:" Ach, das wollte ich ja nochmal lesen….". Eine halbe Stunde später ist immer noch kein einziges Buch aussortiert.

Du hast Möbel, dir dir gar nicht gefallen, wie die Kommode deiner Großeltern. Sie passt nicht zum Rest und nimmt Platz weg. Doch jedes Mal, wenn du sie anschaust, meldet sich das schlechte Gewissen: "Darf ich die wirklich weggeben?"

Du bewahrst Dinge auf, die dir gar nicht gehören: Kartons mit Sachen deiner erwachsenen Kinder, Kisten aus dem Haushalt deiner Eltern oder die Dinge, die "mal jemand abholen wollte". Und sie stehen da. Seit Monaten. Oder Jahren.

Du hast Gegenstände, die du vielleicht irgendwann mal brauchen könntest: Ein Kabel, dessen ursprüngliches Gerät längst Geschichte ist. Eine Vase, die du "für besondere Anlässe" aufbewahrst, obwohl sie seit 12 Jahren keinen Anlass gesehen hat. Und dieses "vielleicht" hält dich fest.

Du wartest mit Entscheidungen, weil du Angst hast, das Falsche loszulassen. Also machst du lieber … nichts. Und die Dinge bleiben, und sind immer in deinem Hinterkopf.

Und genau so fühlt es sich an: Nicht wie ein großer Schritt, sondern wie ein schleichendes Feststecken. Ein inneres Stoppschild, das jedes Mal aufleuchtet, wenn du eigentlich weitergehen willst. Und so füllen sich die Räume weiter und der Kopf gleich mit. Unser Zuhause erzählt unsere Geschichte. Doch oft erzählt es auch von Lebensphasen, die schon längst vorbei sind und auch gar nicht mehr zu uns gehören.

Und das spiegelt sich oft wieder in den Nachrichten von Kunden wieder, die mir schreiben:

"Ich weiß einfach nicht, wo ich anfangen soll."
"Es ist mir wirklich peinlich, dass ich soviel aufgehoben habe."
"Ich habe zu viele Dinge, aber ich weiß nicht, wohin damit."

Die gute Nachricht: Dieses Gefühl der Überforderung haben ganz viele Menschen. Du bist damit nicht allein.
Die noch viel bessere: Du kannst Schritt für Schritt etwas daran ändern.

Etwas, das viele unterschätzen: Dinge kosten Zeit. Immer.

Nicht nur beim Kaufen, sondern auch beim:
Verstauen
Sortieren
Pflegen
Suchen
Organisieren
Wiederfinden (oder auch nicht)
Entsorgen.

Und irgendwann muss sich ein anderer Mensch um all das kümmern. Das soll kein schlechtes Gewissen machen, im Gegenteil. Es soll dir bewusst machen: Die Dinge sind "Arbeitsaufträge". Und du entscheidest, wie viele davon du wirklich in deinem Leben haben möchtest.

Damit dieser Blogbeitrag dich nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern dir wirklich weiterhelfen kann, kommen hier 5 konkrete und einfache Schritte, die du leicht umsetzen kannst:

1. Starte dort, wo du am wenigsten emotional bist

Nicht beim Fotoalbum oder geerbten Porzellan. Eher dort, wo dir Entscheidungen leichtfallen: Bad, Technik-Kleinkram etc. Das bringt dich in Schwung und zeig dir: "Hey, ich krieg das ja hin."

2. Entscheide in kleinen Schritten

Statt gleich die ganze Küche aufzuräumen, sortiere nur die Gewürzschublade. Statt den ganzen Kleiderschrank auszumisten, nimm dir erstmal die Sockenschublade vor. Kleine Erfolge motivieren. Alles auf einmal überfordert.

3. Stell dir die Fragen aus der Ausstellung

"Welche Beziehung habe ich zu diesem Gegenstand?" Ist er nützlich? Schön? Erfreut er mich? Ist er bedeutend? Welchen Wert hat er für mich? Oder ist er nur da, weil … na ja … er halt da ist?

Erlaube dir, Dinge gehen zu lassen

Ein Geschenk, das dir nie gefallen hat, muss nicht aus "Höflichkeit" bei dir bleiben. Du darfst es weiterziehen lassen.

Ein Buch, das du nie gelesen hast, darf weiterverschenkt werden. Jemand anders freut sich vielleicht sehr darüber. Ein Gegenstand, der dich belastet, darf gehen - in Dankbarkeit. Du kannst ihn würdigen und trotzdem loslassen.

Die Hose, in die du "irgendwann vielleicht wieder reinpasst wolltest" darf Platz machen für Kleidung, die dir heute passt und steht. Sie darf dir Energie schenken und dich erfreuen, statt dich schlecht zu fühlen.

Das Küchenzubehör, das du seit Jahren nicht benutzt, ob Spiralschneider, Entsafter oder das achte Schneidebrett. Es darf weiterwandern. Wie sehr würde es jemanden freuen, diese Dinge in seinem Alltag nutzen zu können?

Jetzt wo der große Verführer Black Friday vor der Tür steht, der Tag, an dem alles ruft: "Nimm mich mit! Ich bin reduziert!" - was meist gar nicht stimmt und oft haben wir das Gleiche schon dreimal, nur vergessen - nutze den Moment zum Innehalten:


Was habe ich eigentlich schon und was davon ist mir wirklich wichtig?

Denn manchmal bedeutet weniger nicht mehr Platz im Schrank. Sondern auch mehr Raum zum Leben, dass wir eigentlich wollen.

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Über die Autorin

Kathy Kneusel ist zertifizierter Aufräumcoach und Ordnungsberaterin. Mit ihrem Unternehmen Schön und Ordentlich unterstützt sie Menschen dabei, sich von Ballast zu befreien und eine Ordnung zu schaffen, die bleibt. Getreu ihrem Lebensmotto „Mach dir das Leben schön“ zeigt sie, wie Ordnung als Werkzeug den Alltag erleichtert und wertvolle Zeit für das Wichtige im Leben schenkt. Sie ist sowohl online als auch vor Ort in der Oberpfalz, Franken und deutschlandweit im Einsatz.

66 Adressen und Orte für

deine aussortierten Sachen

Du hast schon ausgemistet, aber keine Ahnung, wohin damit? Hier erfährst du,

wo du Altes loswirst, Gutes tust oder

noch Geld bekommst.

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